"Überladene Motive wirken unordentlich und verwirrend -
eine unfotogene Charakteristik von Anfängern, die fest entschlossen zu sein
scheinen, soviel wie nur möglich in ein Bild hineinzustopfen. Offenbar hegen sie
den Glauben, was dem umherschweifenden Auge gefällt, müsse auch in Bildform
wirkungsvoll sein, und vergessen dabei, dass ein Bild feste Grenzen hat; je mehr
sie in diesen engen Rahmen hineinzwängen, desto kleiner und unscheinbarer wird
alles. Diese ganz und gar unfotogene Gewohnheit werden sie nur dann ablegen,
wenn sie lernen, "fotografisch zu sehen" - in diesem Zusammenhang: ein aus
vielen Einzelheiten bestehendes Motiv optisch zu zerlegen und einzelne Teile
getrennt zu fotografieren.
Hierzu gehört übrigens auch die Beobachtung,
dass fast alle Anfänger, die sich ein Zweitobjektiv zulegen, Weitwinkelobjektive
wählen, die von demselben Kamerastandpunkt aus ein noch weiteres Bildfeld
erfassen als Normalobjektive und somit die unfotogene Angewohnheit, zu viel auf
das Bild zu bringen, noch verschlimmern. Meiner Meinung nach wären sie besser
beraten, wenn sie ein mittleres Teleobjektiv nähmen, was wegen seines engeren
Bildwinkels alles im grösserem Massstab abbildet und dadurch die Bildwirkung
verbessert."
Andreas Feininger, Richtig sehen – besser fotografieren, 1973
| Andreas Feininger: | Die hohe Schule der Fotografie | ISBN 3453412192 |
| Grosse Fotolehre | ISBN 3453179757 |